Eskimo-Reuss Fahrt 2026
'von Bremgarten nach Mellingen'
Eskimo-Reuss Fahrt 2026
Als ich von der geplanten Kanutour am 4. Januar von Bremgarten nach Mellingen erfuhr, war ich sofort begeistert und meldete mich direkt zur Teilnahme an. Ich habe sogar meine Arbeitstage mit einem Kollegen getauscht, um bei dieser Tour dabei sein zu können. Zuvor hatte ich an Eskimorollen-Kursen in Gemeindewiesen teilgenommen, auf dem Rhein dutzende Male Rollen geübt und ausserdem ein Wochenende am Camp in Hüningen verbracht. Dennoch sollte dies meine erste Eskimo-Tour mit Abschnitten eines gewissen Schwierigkeitsgrades werden. Deshalb war ich sehr aufgeregt, aber auch ein wenig nervös. Meine innere Stimme flüsterte mir wegen der Minusgrade zu:
„Hey Fatih, vielleicht solltest du an dieser Tour lieber nicht teilnehmen.“
Doch mein Abenteuergeist war stärker. Diese Erfahrung würde meine Kano-Fähigkeiten weiterentwickeln und mir ermöglichen, Schritt für Schritt zu anspruchsvolleren Etappen und damit zu neuen, spannenden und adrenalinreichen Abenteuern zu paddeln.
An einem kalten Sonntag, an dem alles schneebedeckt war, machten sich Fred, Thomas, Turgay und ich auf den Weg. Da Turgay keine Erfahrung aus Hüningen hatte, nahm er mit seinem stabileren und gutmütigeren Kayak an der Tour teil. Mit rund 30 Teilnehmenden aus verschiedenen Regionen der Schweiz startete unsere Fahrt. Turgay fuhr gemeinsam mit Thomas vor uns, während ich mit Fred weiter hinten, sogar ganz am Ende der Gruppe paddelte. Das Wetter war sonnig wie im Frühling, aber gleichzeitig sehr kalt. Nachdem wir die ersten ein bis zwei Etappen hinter uns gebracht hatten, wich meine Anspannung langsam der Freude, die Reuss und die winterliche Landschaft zu genießen. Dies hielt jedoch nicht lange an, denn die Neoprenhandschuhe, die uns eigentlich vor der Kälte schützen sollten, bewirkten genau das Gegenteil. Meine Fingerspitzen wurden taub, und die Schmerzen waren kaum auszuhalten. Das Wasser in den nassen Handschuhen verdampfte und entzog meinen Händen jede Wärme, sodass sie in kürzester Zeit beinahe gefroren. Ich fühlte mich, als stünde ich auf dem Gipfel des Mount Everest. Das Paddeln wurde für mich zur Qual, und ich wünschte mir nur noch, dass die Tour bald enden würde. Fred bemerkte sofort die Schmerzen in meinem Gesicht, riet mir, die Handschuhe auszuziehen, und gab mir sein Paddel mit Handschutz. Nach etwa 15 Minuten kehrten Gefühl und gute Laune zurück. Freds Nähe gab mir enorm viel Sicherheit, und ich hatte großes Vertrauen in ihn. Er zeigte mir immer wieder gute Linien und half mir, die Etappen, Kehrwasser und Strömungen leichter zu meistern. Bereits in Hüningen hatten mir auch Wilhelm und Urs sehr wertvolle taktische und technische Tipps vermittelt.
Etwa zur Hälfte der Tour war die Suppen Pause am Feuer, die für uns vorbereitet worden war, ein echtes Highlight.
Wir paddelten entspannt weiter, als wir plötzlich Thomas und Turgay aus den Augen verloren. Wie sich herausstellte, war Thomas davon ausgegangen, dass ein Seitenarm des Flusses einfacher sei, und fuhr hinein – Turgay folgte ihm. Was sie jedoch nicht bedacht hatten, war die Länge von Turgays Boot und dessen eingeschränkte Wendigkeit. An der Stelle, an der der Seitenarm wieder in den Hauptstrom mündete, befand sich ein großer Felsen genau in der Mitte. Beim Versuch, dort durchzufahren, konnte Turgay nicht ausreichend manövrieren und blieb hinter dem Felsen feststecken – quer zum Seitenarm und parallel zur Hauptströmung. Noch schlimmer wurde die Situation, als Turgay versuchte, aus dem Boot auszusteigen: Das von hinten kommende Wasser drückte das Boot auf die Seite und machte ein Aussteigen fast unmöglich. Als wir dort ankamen, bot sich uns ein dramatisches Bild. Fred eilte sofort zur Hilfe, während ich das mit der Strömung abtreibende Paddel auffing und zu ihnen zurückbrachte.
Nachdem Turgay gerettet war, setzten wir die Tour fort. Doch etwa zwei bis drei Kilometer später, an einer Stelle, an der zwei Strömungen aufeinandertrafen, kenterte ich, ohne genau zu wissen, wie es passiert war, und fand mich im eiskalten Wasser wieder. Ich versuchte zweimal zu rollen, doch beide Versuche misslangen, sodass ich schwimmen musste. Fred hatte zuvor gesagt:
„Bei dieser Tour fällt fast immer jemand ins Wasser.“
Unser einziger Zweck war es, das zu beweisen, was Fred gesagt hatte.
Als ich schliesslich das Schild mit der Aufschrift „Ziel“ sah, überkam mich sowohl Glück als auch Traurigkeit. Denn diese wunderschöne Tour war zu Ende; aber die warmen Kleidungsstücke im Auto und der auf mich wartende Kaffee mit Öpfelchüechli im Restaurant des Alterszentrums Mellingen-Wohlenschwil machten alles wieder gut.
Wir verabschiedeten uns mit der Verabredung, diese Tour im Frühling erneut zu fahren. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Abenteuer. Mein herzlicher Dank gilt Fred, Thomas und allen Klub-Kollegen, die Turgay und mir vertraut und uns unterstützt haben.
Bericht: Fatih Kalkan